Samuel Salzborn






Kollektive Unschuld


Samuel Salzborn:
Kollektive Unschuld. Die Abwehr der Shoah im deutschen Erinnern
Leipzig/Berlin: Hentrich & Hentrich 2020, 136 Seiten

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Die Auseinandersetzung mit dem Nationalsozialismus und der Shoah galt lange als bundesdeutsche Erfolgsgeschichte. Dieses Image beginnt mit der zunehmenden Rechtsradikalisierung in Politik und Gesellschaft mehr und mehr zu bröckeln. Das vorliegende Buch zeigt, dass in diesem bundesdeutschen Selbstbild immer schon die Geschichte der Schuld- und Erinnerungsabwehr, der Täter-Opfer-Umkehr, der Selbststilisierung als Opfer und der antisemitischen Projektion ausgeblendet wurde. Eine (selbst-)kritische Aufarbeitung der Vergangenheit hat auch 75 Jahre nach der Niederschlagung des Nationalsozialismus auf gesellschaftlicher Ebene kaum stattgefunden: durch die Abwehr der Shoah im deutschen Erinnern manifestiert sich vielmehr ein Selbstbild, das um den Mythos kollektiver Unschuld kreist.

Pressestimmen

"Dringend notwendige Warnung"
Frankfurter Allgemeine Zeitung

"Der Politikwissenschaftler Samuel Salzborn knöpft sich in einem erhellenden Essay das Konfliktfeld zwischen Geschichtsvergessenheit und Geschichtsversessenheit in Deutschland vor."
Deutschlandfunk Kultur

"Abwehren statt erinnern. Samuel Salzborn hat eine scharfe Abrechnung über die Deutschen und ihren 'Opfermythos' verfasst. [...] Salzborn ist bekannt für klare Aussagen, hier geht es aber um nichts weniger als die 'größte Lebenslüge der Bundesrepublik'. Nur eine linksliberale, kleine Elite glaubt demnach, dass die Verbrechen des Holocaust aufgearbeitet wurden -- die große Mehrheit verdrängt und verleugnet seit Jahrzehnten die deutsche Täterschaft und ergeht sich in einem 'Opfermythos'. Diese 'Erinnerungsabwehr' wiederum befeuert den aktuellen Antisemitismus."
Süddeutsche Zeitung

"Buchtipp"
radioeins/rbb

"Die Gegenwart erscheint bei Salzborn düster. So stünden zum Beispiel einer intensiven geschichtswissenschaftlichen Forschung Menschen gegenüber, die an den Ergebnissen oft nicht interessiert seien. Der Autor macht eine Rechtsradikalisierung und die AfD als Sprachrohr von Antisemiten aus. Am Ende könne Erinnerung durchaus plural sein, so Salzborn - das bedeute aber eben auch, dass nicht jede Erinnerung wahr sei."
Jüdische Allgemeine

"Buch des Monats (Juni 2020)"
Blätter für deutsche und internationale Politik

"Kenntnisreiche und detaillierte Analyse"
Norddeutscher Rundfunk

"Schuld trifft aber nicht nur die, die im Nationalsozialismus mordeten. Schuld ist vielfältig und viel weitgreifender zu verstehen. Der Politikwissenschaftler Samuel Salzborn nennt dafür in seinem Essay eine ganze Reihe eindrücklicher Beispiele"
ze.tt

"Dass es mit dem Mythos einer schonungslosen Aufarbeitung der nationalsozialistischen Menschheitsverbrechen nicht so weit her ist, wie es die einschlägigen Debatten nahelegen, unterstreicht der Berliner Politikwissenschaftler Samuel Salzborn [..] mit seinem neuen Werk 'Kollektive Unschuld. Die Abwehr der Shoah im deutschen Erinnern'. In einem pointierten Essay bündelt Salzborn zentrale Erkenntnisse der sozialwissenschaftlichen und historischen Antisemitismusforschung. [...] Folgt man Salzborns Analyse, sind die revisionistischen Forderungen vieler AfD-Politiker und anderer Neo-Faschisten schließlich im Schoß einer Gesellschaft gewachsen, die sich ihre kollektive Unschuld erschwindelt."
Der Tagesspiegel

"Salzborn verschont niemanden in diesem Essay. Seine harte Rhetorik und seine starken analytischen Fähigkeiten resultieren in einem ungemein dichten und provokativen Werk. Dieses Buch hat großen Symbolcharakter: Salzborn stößt eine lange verdrängte und nie wirklich offen ausgetragene Diskussion an. Es ist zu hoffen, dass sich dies in der breiten gesellschaftlichen Debatte niederschlägt und dieses Thema nicht, wie in der Vergangenheit, beschämt ignoriert wird."
Portal für Politikwissenschaft

"[...] aufschlussreiche und detailreiche Analyse um den Nationalsozialismus und die Shoah in der Erinnerungskultur der Bundesrepublik."
blick nach rechts

"Die Erinnerungsabwehrversuche haben eine Jahrzehnte lange Tradition in der Bundesrepublik. Hierfür bietet der von Samuel Salzborn verfasste Essay einen präzise und zugleich detailreichen Überblick. Der Essay ist ein kluger Appell, diesen Versuchen entgegenzuwirken - damit die ermordeten Jüdinnen und Juden, deren Lebensgeschichten in der israelischen Gedenkstätte Yad Vashem dokumentiert sind, nicht ihre Identität verlieren."
Belltower.News

"Die gesellschaftlich verankerte Aufarbeitungskultur, schrieb der Politikwissenschaftler Samuel Salzborn in seinem Essay Kollektive Unschuld, sei in Wirklichkeit nur die Schimäre einer kleinen linksliberalen Elite, mehr noch: 'die größte Lebenslüge der Bundesrepublik'. Die Erinnerung an den Nationalsozialismus zerfalle bei den meisten Deutschen in zwei Teile: Gedenken im Öffentlichen, Leugnen im Privaten. Das ist, die Zahlen zeigen es, nicht so ganz abwegig."
Die Zeit


Inhaltsverzeichnis

Einleitung
Schuld, Erinnerung und Abwehr
Bestrafung und Versöhnung in Politik und Justiz: Zwischen partieller Aufarbeitung und genereller Selbstentlastung
Kultur und Alltagskultur: die Shoah in Film und Literatur
Gesellschaftliche Selbstfindungen: Antisemitische Schuldabwehr
Dethematisierungen der Shoah und ihrer Täter/innen: der deutsche Opfermythos
Die schleichende Nivellierung der Erinnerung