Samuel Salzborn






Kampf der Ideen


Samuel Salzborn:
Kampf der Ideen. Die Geschichte politischer Theorien im Kontext
Nomos: Baden-Baden 2015, 201 Seiten

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Der Band schlägt einen neuen Blick auf die Geschichte politischer Theorien vor. Er zeigt, dass politische Ideen Ausdruck von gesellschaftlichen und politischen Konflikten sind und sich fortwährend in einem Kampf miteinander befinden – einem international geführten Kampf um Deutungshoheit und damit um politische und gesellschaftliche Macht.

Pressestimmen

"[...], dass mit Samuel Salzborn seit einigen Jahren nun ein hochbegabter jüngerer Vertreter [...] die Debatten ungeheuer produktiv aufmischt. [...] So bestärkt seine starke Stimme den schwarzen Blick auf die Gegenwart, den auch (Henning) Ottmann und (Herfried) Münkler aus der älteren Generation auf höchstem Niveau profilieren. So deutlich sich Salzborn auf den normativen Universalismus der Aufklärung beruft, so unabweisbar scheint er die Reflexivität der Moderne doch auch als autodestruktiven Prozess zu erörtern. [...] Die Verdammten dieser Erde finden keine Heimat mehr und Staatszerfall droht allerorts. Samuel Salzborn ist ein Autor, der dazu etwas sagen kann."
Philosophischer Literaturanzeiger

"Salzborn erweist sich auch in diesem Buch als guter Kenner der Materie. Sein Ansatz, politische Theorien im Kontext der politischen Praxis zu sehen, überzeugt. Denn allzu abgehoben von der gesellschaftlichen Realität werden einschlägige Fragen nicht nur an den Universitäten diskutiert."
Humanistischer Pressedienst

"Der faszinierende und überzeugende Zugang Salzborns zum Thema besteht darin, die Geschichte der wesentlichen politischen Ideen und Ideensysteme – wie Liberalismus, Konservatismus, Sozialismus, Anarchismus – als Kontroverse um das, wie er es sieht, 'halbierte Versprechen der Aufklärung' zu skizzieren, als Kontroverse um die Ausgestaltung, Reform oder Zerstörung der westlichen Demokratie. [...]
Diese [..] Darstellung ist [...] randvoll mit neuen Gedanken, Ideen, Seitenhieben und unerwarteten Exkursen. Ein großer Wurf und ein Appell zur Verteidigung der westlichen Demokratien."
Jüdische Allgemeine

"Auch wenn einige Leser der deutlichen Positionierung für die westliche Demokratie mit ihrer politischen Verfasstheit und ihrem gesellschaftlichen Pluralismus nicht in jeder Hinsicht folgen mögen, so reflektiert Salzborn doch beständig auf die inhärenten Widersprüche und Schattenseiten der Aufklärung. Gerade eine Parteinahme für den Westen müsse Auschwitz als Zivilisationsbruch in den Mittelpunkt der Theoriebildung stellen.
Salzborns Buch ist politische Wissenschaft im besten Sinne: intellektuell anregend und kontrovers, er scheut sich nicht vor einer klaren Position und liefert eine Interpretation zum besseren Verständnis der Gegenwart."
taz.die tageszeitung

"Der Göttinger Politologe liefert eine kurze, gelungene, in der Darstellung stets Grundgedanken der Dialektik der Aufklärung von Theodor W. Adorno und Max Horkheimer reflektierende klassische Theoriehistorie. Zum anderen ruft er die blinden Flecken und die regionale Borniertheit der Mainstream-Politikwissenschaft in Erinnerung, gegen die er eine global orientierte und dezidiert wertende Darstellung setzt. […] Salzborn wird seinem Anspruch, eine 'gesellschaftstheoretisch argumentierende Globaldarstellung der politischen Theorien' zu schreiben, trotz des knappen Raums weitestgehend gerecht. Vor allem aber formuliert er überzeugende Argumente gegen die 'Sakrosanktsprechung antiaufklärerischer Bewegungen' in nichtwestlichen Gesellschaften."
Der Standard

"In seiner Überblicksdarstellung zur Entwicklung politischer Theorien betont Salzborn, dass sich Aufklärung und Moderne in aller Regel gegen christliche Dogmen durchsetzen mussten, und er verweist auf die Rolle, die islamische Gelehrte wie Ibn Rusd und Ibn Sina bei frühen (und weitestgehend gescheiterten) Versuchen zu einer Vermittlung von Vernunft und Glaube gespielt haben. Das ist umso bedeutsamer, als Salzborn im 21. Jahrhundert die diversen Spielarten sowohl des sunnitischen als auch des schiitischen Islamismus völlig zu Recht und in aller Deutlichkeit als 'aggressivste und brutalste Variante' eines 'universalen Antiuniversalismus' benennt und die 'terroristische Realisierung islamistischer Herrschaftsansprüche' als gegenwärtig größte Bedrohung für Israel ausmacht, dessen Gründung 1948 er nicht nur in seiner weltpolitischen, sondern auch in seiner theoriegeschichtlichen Bedeutung diskutiert."
hagalil.com


Inhaltsverzeichnis

Einleitung

I. Theorie, Methodologie und Methode
1. Der Kampf der Ideen als Kampf um Ideen. Oder: Wie und warum entstehen politische Theorien?
2. Westen. Osten. Norden. Süden. Zum weltgeschichtlichen Zusammenhang politischer Theoriebildung

II.Die Ordnung der Moderne: Versprechen, Ambivalenzen, Widersprüche
3. Das Versprechen der Aufklärung: die Emanzipation zum Individuum und Subjekt
4. Der Kampf um und gegen die liberale Weltordnung im 18. und 19. Jahrhundert
    a) Anarchistische Radikalisierungen
    b) Konservative (Präventiv-)Reaktionen
    c) Sozialistische Gleichheitsforderungen
    d) Republikanismus zwischen Partizipationserweiterung und Gemeinschaftsregression
    e) Antikoloniale Abwehr
5. Die Vernichtung der Ambivalenz: Vom Überlegenheitsdenken zur totalitären Ideologie

III. Irritationen, Bruchlinien und Erweiterungen: Chancen für eine „zweite Moderne“?
6. Die „Verdammten dieser Erde“: Zwischen Befreiung, Emanzipation und Regression
    a) Herrschaft und Imperium
    b) Unterdrückung und Befreiung
    c) „Rasse“, Antirassismus und Postkolonialismus
    d) Das „andere Geschlecht“
7. Globalisierung(en): Der Kampf um Deutungshoheiten
    a) Paradigma Umwelt- und Naturschutz
    b) Paradigma Deliberation
    c) Paradigma Demokratisierung

IV. Das „Sein und das Nichts“: Das verlorene Subjekt der Emanzipation
8. Der Hass auf die Moderne: Antiamerikanismus, Islamismus, Antisemitismus
9. Der Blick zurück als Blick nach vorn: Die Entstehung und der Zerfall politischer Ordnungen

Literatur