Samuel Salzborn






Antisemitismus als negative Leitidee der Moderne


Samuel Salzborn:
Antisemitismus als negative Leitidee der Moderne. Sozialwissenschaftliche Theorien im Vergleich
Campus: Frankfurt a.M./New York 2010, 378 Seiten

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In der sozialwissenschaftlichen Antisemitismusforschung wird national wie international das Fehlen einer Studie beklagt, die theoretische und empirische Erkenntnisse miteinander verbindet. Die theoretischen Arbeiten nutzen empirische Studien oft allenfalls selektiv zur Stützung ihrer Hypothesen. Empirische Studien wiederum verzichten meist völlig auf theoretische Erkenntnisse. Samuel Salzborn liefert nun eine empirisch grundierte Theorie über die individuellen wie kollektiven Entstehungsursachen des Antisemitismus, seine argumentativen Strukturen sowie die sozialen Kontext- und Entwicklungsbedingungen. Dazu untersucht er politikwissenschaftliche, soziologische und psychologische Arbeiten über Antisemitismus und überprüft diese anhand empirischer Analysen. Er schließt damit eine wesentliche Lücke der sozialwissenschaftlichen Antisemitismusforschung.

Pressestimmen


"Das Verdienst des Buches (ist es), die verschiedensten Theorien zum Antisemitismus auf höchsten Niveau zusammenzuführen."
Soziologische Revue

"Auf den ersten Blick könnte man die vorliegende Monografie für ein Lehrbuch halten. Chronologisch werden elf Antisemitismustheorien vorgestellt, deren Rezeptionsgeschichte kurz angerissen und deren Grundannahmen benannt. Und in der Tat besteht ein nicht zu vernachlässigender Wert Salzborns Arbeit darin, eine übersichtliche und recht umfassende Einführung in die theoretische Antisemitismusforschung zu geben, wenngleich eine solche Rezeption dem Buch nicht gerecht wird. Sie würde nicht nur die ausführlichen wissenschaftstheoretischen Erläuterungen unterschlagen, anhand derer Salzborn seine eigenen Interpretationen paradigmatisch verortet, sondern auch den Stellenwert Salzborns 'Politischer Theorie des Antisemitismus' verkennen."
Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie

"(Die Studie) zeichnet sich durch einen erkenntnisfördernden Ansatz aus, will der Autor doch Theorien über den Antisemitismus empirisch überprüfen. Dazu präsentiert er die einzelnen Ansätze komprimiert und systematisch. Er macht auch zutreffend die unterschiedlichen Ebenen der Argumentation deutlich und fragt nach der möglichen Kompatibilität nur scheinbar gegensätzlicher Erklärungsansätze. Hierdurch weist die Studie auf Lücken in der bisherigen Forschung hin und plädiert für eine Erweiterung von deren Perspektiven."
Mitteilungen des Dokumentationarchivs des Österreichischen Widerstandes (DÖW)

"Salzborns Studie ist [..] allen zu empfehlen, die sich mit Antisemitismustheorien auseinandersetzen wollen, nicht nur im akademischen Bereich."
die tageszeitung (taz)

"The theoretical part is an important and congenial contribution to the field of antisemitism research that fulfills the promise of providing an exhaustive and integrative overview of previously isolated theoretical approaches. By elaborating testable hypotheses, the author provides the theoretical groundwork for a complete research program. [...] In summary, Salzborn's book is a milestone in the reception and integration of antisemitism theories. It could serve a whole generation of antisemitism researchers as a reference point from which the clearly spelled-out hypotheses can be tested-with all methodological diversity."
Journal for the Study of Antisemitism

"Dank des Aufbaus des Buches und der Gewichtung der Inhalte eignet sich Salzborns Studie nicht nur zur Lektüre als wichtiger Beitrag zur aktuellen Forschungsdebatte. Vielmehr gelingt es dem Autor durch die detaillierte und systematische Erarbeitung vielzitierter Antisemitismustheorien ein Überblickwerk zum Thema zu erarbeiten, das einschlägige Theoriemodelle des Antisemitismus seit den 1930er Jahren reflektiert."
Medaon Magazin für jüdisches Leben in Forschung und Bildung

"Mit der Studie wird eine bedeutende Forschungslücke geschlossen."
Portal für Politikwissenschaft (pw-portal.de)

Inhaltsverzeichnis

Vorwort

1. Einleitung
1.1. Forschungsstand und Forschungsperspektiven
1.2. Aufbau der Arbeit

2. Sozialwissenschaftliche Theorien über Antisemitismus
2.1. Sigmund Freud: "Der Mann Moses und die monotheistische Religion"
2.2. Talcott Parsons: "The Sociology of Modern Anti-Semitism"
2.3. Jean-Paul Sartre: "Portrait de l'antisémite"
2.4. Ernst Simmel: "Anti-Semitism and Mass Psychopathology"
2.5. Max Horkheimer/Theodor W. Adorno: "Dialektik der Aufklärung"
2.6. Hannah Arendt: "Elemente und Ursprünge totaler Herrschaft"
2.7. Béla Grunberger: "Der Antisemit und der Ödipuskomplex"
2.8. Shulamit Volkov: "Antisemitism as a Cultural Code"
2.9. Moishe Postone: "Die Logik des Antisemitismus"
2.10. Zygmunt Bauman: "Modernity and the Holocaust"
2.11. Klaus Holz: "Nationaler Antisemitismus"

3. Empirische Prüfung der theoretischen Annahmen
3.1. Methodologie und methodische Grundlagen
3.1.1. Genese und Empirie des sekundären Antisemitismus
3.1.2. Zum Design der empirischen Studie
3.2. Auswertung
3.2.1. Qualitative Auswertung der einzelnen Interviews
3.2.2. Systematische Auswertung aller Interviews

4. Zur Theorie des modernen Antisemitismus

Literatur