Samuel Salzborn






Ethnisierung der Politik


Samuel Salzborn:
Ethnisierung der Politik. Theorie und Geschichte des Volksgruppenrechts in Europa
Campus Verlag: Frankfurt/New York 2005, 356 Seiten

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Pressestimmen

"Samuel Salzborn hat ein wichtiges Buch geschrieben, in dem er mit großer Klarheit den Unterschied zwischen liberal-demokratischen Minderheitenschutz und völkisch-nationalen Volksgruppenkonzept, das schon so viel Unglück in Europa verursacht hat, aufzeigt. Er brachte es fertig, Theorie und Geschichte des Volksgruppenrechts in Europa sowohl allgemeinverständlich und spannend als auch wissenschaftlich darzustellen."
Die Jüdische

"Samuel Salzborn ist es in seiner aktuellen Studie zur Theorie und Geschichte des Volksgruppenrechts in Europa gelungen, mit viel Fingerspitzengefühl die konzeptionellen Debatten zum Volksgruppenrecht mit ihren Konjunkturen, Protagonisten und Organisationen zu analysieren und vom liberal-demokratischen Diskurs über Minderheitenrechte abzugrenzen. [...] Salzborn ist in der Lage, durch die Geschichte des Volksgruppenrechts sichbar zu machen, wie sich völkisch-nationalistisches Denken in den politischen Diskurs eingeschrieben hat. [...] eine sehr empfehlenswerte Lektüre. Und dies nicht nur für die Sozialwissenschaften, sondern auch für die Politik und die Organisationen, die sich mit einem demokratischen Verständnis für Rechte von Minderheiten und für Menschenrechte einsetzen. Es ist eine Studie, die aufhorchen lässt."
Österreichische Zeitschrift für Politikwissenschaft

"Salzborns Buch ist die bisher erste systematische Analyse des Volksgruppentheorems vom Ersten Weltkrieg bis in die unmittelbare Gegenwart. [...] Dass das Thema Volksgruppenrecht enorme Relevanz für den Fortgang der europäischen Integration besitzt, wird durch die Lektüre des Buches deutlich - um was für ein Europa wird es sich zukünftig handeln, ein völkisch oder ein demokratisch konstituiertes? [...] Fazit: Eine immens wichtige Arbeit, der eine breite Rezeption und Diskussion sehr zu wünschen ist."
Politische Vierteljahresschrift

"... elaborately detailed academic study ..."
Claremont Review of Books

"So ist Salzborn in seinem Urteil zuzustimmen, wonach die im Innern auf Exklusion abgestellten Gesellschafts- und politischen Ordnungsvorstellungen der 'Volksgruppen'-Theoretiker und Ethnopolitiker sowie insbesondere das Instrument des 'Volksgruppenrechts' als 'gefährliches Einfallstor rechtsextremer Ideologie in den gesellschaftlichen Diskurs im Kontext von Globalisierung, europäischer Integration und der damit wachsenden Bedeutung der europäischen Entscheidungsebene' anzusehen sind. Doch stellt die aktuelle politische Brisanz des Untersuchungsgegenstandes nur einen der Vorzüge von Salzborns Studie dar. Der Erkenntnisgewinn bei der Lektüre basiert vor allem darauf, dass es dem Autor gelungen ist, eine durchweg überzeugende historische Analyse mit ideologiekritischen und grundlegenden theoretisch-systematischen Überlegungen zur Genese eines ethnozentrischen Volksbegriffs sowie zur Entwicklung entsprechender volksgruppenrechtlicher Vorstellungen zu verbinden. Auf diese Weise vermag er zu zeigen, wie sich die Verfechter des 'Volksgruppen'-Theorems nicht nur vehement gegen die Ideologie und Staatsform des Nationalstaates sowie gegen universalistische, egalitäre Gesellschaftsentwürfe wandten, sondern, von völkischen Prämissen ausgehend, auf internationalem Terrain erfolgreich operierende Netzwerke organisierten und sich darüber hinaus in der Lage erwiesen, ihre Konzepte den sich wandelnden politischen Rahmenbedingungen im 20. und frühen 21. Jahrhundert anzupassen."
H-Soz-u-Kult. Humanities - Sozial- und Kulturgeschichte

"Mit seiner Studie gelingt es Salzborn, die zeitgeschichtliche und politikwissenschaftliche Forschung zu Minderheitenfragen um wesentliche Aspekte zu bereichern."
Das Historisch-Politische Buch

"Im politischen Alltag steht [..] dem bekannten und bisher häufiger erforschten und diskutierten Konzept eines 'Europa der Regionen' als Alternative das Konzept eines 'Europa der Volksgruppen' gegenüber, ein Konzept, das viele seiner Protagonisten, nicht zuletzt gerade in Deutschland, vor allem in Ostmitteleuropa angewandt sehen wollen, ausgehend von dem weit verbreiteten Fehlurteil, dieser Teil Europas sei weitgehend von ethnischen Nationskonzepten geprägt. Der Autor legt hier gleichzeitig die erste umfassende politikwissenschaftliche Studie über die theoretischen und praktischen Vorstellungen eines 'Europa der Volksgruppen' und eine fundierte historische Analyse zur Geschichte dieses Konzepts vor. Ohne im Inhaltsverzeichnis expressis verbis ersichtlich zu sein, liefert er dabei auch einen wichtigen Beitrag zur Geschichte der Beziehungen zwischen Deutschland und seinen östlichen Nachbarn im 20. Jahrhundert."
bohemistik.de

"Samuel Salzborn's provocative book is conceived as a mixture between a scholarly study and a political wake-up call."
H-German. Discussion Network on German History

"Inhaltlich [..] ist die Lektüre ausgesprochen lohnend, wird hier doch aus theoretisch stringenter kritischer Perspektive eine - wie vermutet werden kann: auch in Zukunft - für die europäische Rechtssetzung wesentliche Strömung bearbeitet, deren weit reichende politische Implikationen im realpolitischen Alltag verschleiert bleiben. Salzborn weist nicht nur auf theoretischer Ebene die genuin rechte völkische Fundierung der 'Volksgruppentheorie' (bzw. des davon abgeleiteten 'Volksgruppenrechts') nach, er belegt durch seine detailreiche Analyse der Aktivitäten einschlägiger Verbände und Gruppierungen im theoretischen wie politisch-strategischen Bereich auch die realpolitische Bedeutung, die diese Theorien in den letzten Jahrzehnten gewinnen konnten."
Mitteilungen des Dokumentationsarchivs des österreichischen Widerstandes (DÖW)


Inhaltsverzeichnis

Vorwort

1. Einleitung
 1.1 Relevanz des Themas
 1.2 Forschungsstand
 1.3 Methodik und Struktur der Arbeit

2. Theoretische Grundlegung
 2.1 Ethnizität - Definition einer grundlegenden Kategorie

3. Minderheit, Nationalität, Volksgruppe: Zur Geschichte, Tradition und Bedeutung differenter Theoreme
 3.1 Traditionen und Brüche
 3.2 Demokratischer Liberalismus und völkischer Antiliberalismus
 3.3 Aufstieg und Stagnation des Volksgruppenrechts

4. Theoretische Elemente des "modernen" Volksgruppenrechts
 4.1 "Homo ethnicus" - Die völkische Basis der Volksgruppentheorie
  4.1.1 Die Legitimation des Separaten: das Klassifikationselement Herkunft/Abstammung
  4.1.2 Die Homogenisierung des Kollektiven: das Klassifikationselement Sprache
  4.1.3 Die Kulturalisierung des Sozialen: das Klassifikationselement Kultur
 4.2 Ansätze zur rechtlichen Legitimation des völkischen Anspruchs
  4.2.1 Naturrecht und Heimatrecht
  4.2.2 Selbstbestimmungsrecht und Menschenrecht
 4.3 Raumordnungskonzepte für Europa
  4.3.1 Völkische Autonomie
  4.3.2 Ethnoregionalismus
  4.3.3 Ethnisch-partikularer Föderalismus
 4.4 Ethnos contra Demos

5. Politische Etablierungs- und rechtliche Verankerungsprozesse des Volksgruppenrechts in Europa von 1945 bis heute
 5.1 Volkstumspolitik im Spannungsfeld von traditionellen Ansätzen und "modernem" Volksgruppenrecht
 5.2 Rekonstituierungs- und Vernetzungsprozesse zur Schaffung eines europäischen Volksgruppenrechts
 5.3 Erarbeitung erster Ansätze für die völkische Rechtspraxis
 5.4 Systematisierung der theoretischen und empirischen Grundlagen zur Schaffung eines europäischen Volksgruppenrechts
 5.5 Modifikation von theoretischem Material in völkerrechtlich umsetzbare Rechtsprinzipien
 5.6 Die Schaffung von "Brückenköpfen" im europäischen Rahmen
 5.7 Öffentliche Profilierung und Etablierung der Volksgruppenpolitik
 5.8 Die katalytische Funktion der osteuropäischen Transformation 1989/90 für die Volksgruppentheorie
 5.9 Die völkische Umgestaltung des europäischen Minderheitenrechts
 5.10 Entwicklungstendenzen in der Gegenwart: Das fortgesetzte Wechselspiel von Konfliktschürung und Rechtsetzung

6. Resümee und Perspektiven

Abkürzungsverzeichnis
Literaturverzeichnis
 1. Genutzte Archive
 2. Archivalien
 3. Literatur